Schulprogramm - Unterrichtsangebote

Leseunterricht

An der St. Nikolaus-Schule findet der Leseunterricht sowohl im Klassenverband als auch einmal wöchentlich nach dem Konzept von Reichen (Lesen durch Schreiben) in leistungsdifferenzierten Lesegruppen statt.

Lesen heißt,

„visuelle Sinnzeichen als Träger verschiedener kodierter Bedeutungen zu erkennen und diese für das eigene Wahrnehmen und Handeln bedeutsam werden zu lassen.“

(Hublow/ Wohlbehagen in Zeitschr. f. Heilpäd. 1978).

Unter Lesen wird also die Sinnentnahme aus Zeichen verstanden. Diese Zeichen sind nicht nur Buchstaben, sondern auch Bilder, Symbole, Situationen, Ganzwörter oder Fotos. Legt man diese Definition zugrunde gestaltet sich der Leselernprozess wie folgt:

Lesenlernen beinhaltet verschiedene Lesestufen:

Situationslesen; Bilderlesen; Symbollesen; Signalwortlesen; Ganzwortlesen; Analyse; Synthese; Erlesen

Lesenlernen heißt:

lernen, visuell wahrzunehmen

Wichtig ist, dass für die Anbahnung des Leselern-Prozesses eine ganzheitliche, alle Sinne ansprechende, handlungsorientierte, für die Schüler lebensbedeutsame Lernsituation geschaffen wird, in der sie den Sinn des Lesenlernen  erkennen und erleben können.

 

Menge und Zahl

Rechenunterricht an Schulen für Geistigbehinderte lässt sich grob in zwei Bereiche aufgliedern:

Wie lernen wir an der St.Nikolaus-Schule rechnen?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir nicht nur im Fach Mathematik, welches bei uns Rechnen oder Menge und Zahl heißt, rechnen lernen, sondern auch und im Besonderen in alltäglichen Schulsituationen, wie z.B. beim Tischdecken, Einkaufen, Handtücher holen, Blätter verteilen.

Wichtig ist, dass die Schüler ganzheitlich, d.h. mit Kopf, Herz und Hand, und handelnd lernen. Abstraktes Wissen muss für uns bedeutsam und im konkreten Leben erfahrbar werden, damit wir es verstehen und im Gedächtnis behalten.

Beispielhaft sollen hier drei Konzepte genannt werden, die im Rechenunterricht an der St. Nikolaus- Schule Anwendung finden:

 

Sportunterricht

Bewegung ist für unsere Schüler ein existentielles Grundbedürfnis. Wer sich selbst und die Welt kennen lernen und beeinflussen möchte, benötigt Bewegungsmöglichkeiten. Bewegung und Sport kann und soll auch ein Bereich sein, dem eine hohe kommunikative und integrative Bedeutung zukommt. Durch das „Sich-Bewegen“ kommt der Schüler in Kontakt mit seiner Umwelt. Bewegung und Sport können das Leben erlebnisreicher machen, die Fitness fördern und zusätzliche durch Bewegungsmangel entstehende Gesundheitsrisiken vermindern. Toben, Laufen, Springen, Hüpfen usw. regen das Herz-Kreislauf-System an und verbessern die Motorik. Außerdem wird die Koordinationsfähigkeit und das Regelverhalten der Schüler gefördert. Besonders zentral ist der Wunsch, durch den Sport Freude und Spaß zu erleben. An solchen Wünschen und Bedürfnissen muss sich neben dem Freizeitsport auch der Schulsport orientieren, denn weder die Motivation zur Teilnahme am Sport, noch dessen Ziele lassen sich erzwingen. Schwimmunterricht findet für die Klassen halbjährlich in Urft statt. Das schuleigene Therapiebecken ermöglicht Bewegungsförderung und Entspannung für die schwerstbehinderten Schüler. Im vergangenen Schuljahr wurde unser Schulleben durch Einladungen zu verschiedenen Sportfesten bereichert. Vor allem die Hans-Verbeek-Schule lädt uns regelmäßig zu zwei Sportfesten ein. Weiterhin gab es erfolgreiche Schwimmfeste und verschiedene Fußballturniere. Eine langjährige Kooperation mit Sportgruppen der Hauptschule in Kall wird weitergeführt.

Unterricht am Computer

Den Schülern der St. Nikolaus-Schule stehen zurzeit zwei Möglichkeiten der Computernut­zung zur Verfügung, entweder am klasseneigenen Computer oder  im Computerraum, in dem momentan 8 PCs stehen, die miteinander vernetzt sind und Internetzugang besitzen. Als Peripheriegeräte stehen 2 Drucker, ein Scanner, ein CD-Brenner und eine Spezialtastatur (mit variabler Tastenbelegung und –größe) zur Verfügung.

 

Musikunterricht

Schüler können Musik hören, erleben und machen, durch Musik emotional angesprochen werden, durch  Musik zur Kreativität angeregt werden u.v.m. Die musikalische Erziehung in der St. Nikolaus-Schule macht es sich zur Aufgabe, den Schülern möglichst viele dieser Bereiche zu erschließen. Dies geschieht auf zwei verschiedenen Wegen:

Neben den hier aufgelisteten fachlichen Zielen sollen durch den Musikunterricht aber auch Fähigkeiten und Gefühle vermittelt bzw. erworben werden, die mit dem Fach „Musik“ nur indirekt in Verbindung stehen.

 

Kunstunterricht

An der St. Nikolaus-Schule umfasst das Fach Kunst mehrere Bereiche, die Materialien und Techniken des Textil- und Werkunterrichts mit einschließen. Den Kunstunterricht an der St. Nikolaus- Schule kann man in zwei unterschiedliche Richtungen einteilen. Zum einen geht es bei dem gebundenen Gestalten um das Erlernen von Techniken, z.B. Schneiden, Kleben, Malen mit Stiften und Wasserfarbe etc. Das freie Gestalten enthält aleatorische Verfahren, wie Kleistern, Matschen, Schmieren mit Sand, Farbe, Drucken, Rollen, Kugelbildern, Malen nach Musik, Dripping etc.. Hier stehen als Ziele Selbsttätigkeit, sensomotorische Erfahrungen, Regression und Emotionalität im Vordergrund. Besonders schwerstbehinderte Schüler/Innen erhalten hier Angebote, z.B. im Matschraum, als Ganzkörpererfahrung und basale Stimulation. Bei diesem Verfahren werden Zufallsergebnisse zu einem Endprodukt zusammengefügt, um den Schülern Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

 

Sachunterricht

Der Sachunterricht an der St. Nikolaus Schule versucht, unseren Schülern ihre Umwelt und damit verbundene Sachverhalte und Sachzusammenhänge näher zubringen und zu erklären. Dies geschieht mit dem Ziel, die Schüler im Rahmen der Allgemeinbildung zu fördern, sie vielfältige Erfahrungen sammeln zu lassen und sich somit (selbst-)bewusster in ihrer Umwelt zu bewegen. Hierbei geht es um alle Themen, die Kinder und Jugendliche interessieren und betreffen, so z.B. die Themen „Tiere auf dem Bauernhof“, „Die vier Jahreszeiten“ oder „Verkehrserziehung“. Sachunterrichtliche Aspekte sind aber immer auch Bestandteil vieler anderer Unterrichtsfächer wie z.B. dem Hauswirtschaftsunterricht oder dem Werkunterricht. Von der Sache ausgehend versuchen wir, Sachinhalte für die Schüler auf der Basis ihres individuellen Entwicklungsniveaus anzubieten. Dies beinhaltet, dass die Auseinandersetzung mit Realgegenständen im Sachunterricht von großer Bedeutung ist – sei es im Klassenzimmer oder auf Exkursionen. Vielfach können aber auch Filme, Arbeitsblätter oder Computerprogramme bestimmte Inhalte transportieren.

 

Hauswirtschaft

Der Hauswirtschaftsunterricht wird in der Regel in der Lehrküche abgehalten und bietet den Schülern die Möglichkeit, Kompetenzen und Fertigkeiten zur Lebensbewältigung zu erwerben. Das Aufgabenfeld reicht dabei vom Umrühren des Kakaos bis hin zur Zubereitung einer Gemüsesuppe nach Rezept. Hier ist der Entwicklungsstand des jeweiligen Schülers gefragt. Es zeigen sich somit vielfältige Ansätze. Im Mittelpunkt steht jedoch die Zubereitung einer Mahlzeit. Hier bringt sich jeder Schüler ein und kann zum Gelingen des Ganzen beitragen. Die Auswahl der Rezepte richtet sich zumeist nach den thematischen Lerninhalten der übrigen Unterrichtsfächer. Wichtige fachliche Aspekte sind die Hygiene und die Arbeitssicherheit. Die Schüler werden zum sicheren Umgang mit den Arbeitsgeräten sowie dem sauberen Umgang mit den Lebensmitteln hingeführt. Hauswirtschaftliche Grundtechniken wie schneiden, rühren, schälen werden erarbeitet und erweitert. Die häuslichen Erfahrungen der Schüler werden einbezogen und weiterentwickelt. Die theoretische Vorbereitung mit Hilfe von Rezepten, Einkaufslisten und der Kochkasse sowie die Nachbereitung in Form eines Kochbuches oder einer Speisenhitliste u.v.m. wird meist in das gesamte Tagesgeschehen eingefügt. In vielen Klassen steht den Schülern ein Kochtag zur Verfügung, damit den vielseitigen Möglichkeiten der Hauswirtschaft Rechnung getragen werden kann.

 

Formen der unterstützenden Kommunikation

Unter „unterstützender Kommunikation“ verstehen wir all die Angebote, die einem Schüler zur Kommunikation angeboten werden. Einen Großteil unserer Schüler verstehen wir nicht, aus unterschiedlichen Gründen. Dies heißt allerdings nicht,  dass diese Schüler nicht kommunizieren. Sie tun es auf unterschiedliche Art und Weise, individuell, wie jeder von uns. Einige Schüler benutzen dafür Kommunikationsebenen, die uns vertraut sind, wie die Sprache oder Gestik als Formen der Körpersprache. Darüber hinaus gibt es allerdings eine Vielzahl von Kommunikationsebenen, die wir erst gemeinsam suchen und finden müssen und die individuell sehr verschieden sein können. Für den alltäglichen kommunikativen Umgang mit unseren Schülern ist es von hoher Bedeutung, den jeweiligen kommunikativen Zugang zu jedem Schüler zu finden. Erst so kann Kommunikation entstehen, erst so haben Schüler und Lehrer, aber auch Schüler untereinander die Möglichkeit, in Beziehung zu treten, erst so erfahren wir von Bedürfnissen, Wünschen aber auch von kognitiven Fähigkeiten. Gerade ein Mensch, der kaum über sprachliche Mitteilungsmöglichkeiten verfügt, hat kaum die Chance mitzuteilen, wo seine kognitiven Fähigkeiten liegen, ob er z.B. lesen kann, Bilder erliest, eine Vorstellung von Zahlen, Mengen oder Begriffen hat. Die unterschiedlichsten Formen der unterstützenden Kommunikation helfen uns, dies herauszufinden und schaffen die Voraussetzung für Lernen und Bildung. Das Kollegium der St. Nikolaus-Schule hat sich auf mehreren Fortbildungen und Konferenzen intensiv mit dem Thema der unterstützten Kommunikation auseinandergesetzt. Regelmäßig werden Beratungstermine in Kooperation mit Reha-Firmen durchgeführt, bei denen geeignete elektronische Kommunikationshilfen ausgewählt werden können. Diese können dann mit Hilfe eines Entwicklungsgutachtens seitens der Klassenlehrer und einer Stellungnahme durch den behandelnden Arzt bei der Krankenkasse beantragt werden. Manchmal ist dies mit langwierigen Diskussionen mit den Krankenkassen und Widersprüchen bzw. Zusatzgutachten verbunden. Der Erfolg, den viele dieser Kommunikationshilfen später erzielen, nämlich den Schülern zu helfen, sich besser mitzuteilen, belohnt jedoch diese Mühe. Manchmal stellt sich jedoch auch heraus, dass eine bereits eingesetzte Kommunikationshilfe dem Schüler keine angemessene (zu wenig komplex, zu komplex, vom Schüler nicht akzeptiert) Unterstützung bietet. Hier muss dann gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Therapeuten über andere Möglichkeiten nachgedacht werden.

In einer speziellen Fördergruppe können diese Schüler intensiv üben, mit ihren Kommunikationshilfen besser umzugehen. Wichtig ist jedoch die ständige Nutzung in allen Lebensbereichen: Zuhause, Schule und Freizeit.