Schulprogramm - Stufenkonzepte
An der Sankt Nikolaus Schule existieren verschiedene klassenübergreifende Arbeitsgemeinschaften. Darüber hinaus hat das Kollegium ein Konzept zur Durchführung seiner Projektwochen erarbeitet und sowohl die Schwerstbehindertenförderung als auch die Lesekonzeption neu überarbeitet.
Freitags-AG´s
Jeden Freitag ist AG-Tag an der Sankt Nikolaus Schule. In der Zeit von 9.00 – 10.00 Uhr löst sich der Klassenverband der einzelnen Klassen komplett auf und die Schüler gehen in die AG, für die sie sich entschieden haben. Folgende AG`s standen im Schuljahr 2007/2008 zur Auswahl:
Koch/Musik-Segel-AG
Walking-AG
Ringen und Raufen-AG
Kunst-AG
Snoezel-AG
Reit-AG
Zeitungs-AG
Pädagogische Ziele der AG´s sind u.a.:
Kennenlernen von anderen Schülern
Kennenlernen von anderen Lehrern
Kennenlernen von neuen räumlichen Gegebenheiten
Sich selbst in einer neuen Gruppe einfügen lernen
Kennenlernen von neuen Lernmethoden / Lerninhalten
Die o.g. Ziele gelten natürlich auch für andere, klassenübergreifende Kooperationen, wie gemeinsame Freizeitgestaltung im Nachmittagsbereich, die Fußball-AG und die Arbeit während den Projektwochen.
Das Schwerstbehindertenkonzept
Organisatorische Rahmenbedingungen
Nach den Herbstferien 2003 begann die Umsetzung eines neuen Konzeptes zur Förderung von Schülern mit Intensivförderbedarf an unserer Schule.
Diese Idee entstand aus dem Wunsch des Kollegiums, diesen Schülern zusätzlich zum Klassenunterricht Angebote zu machen, die ihren besonderen Bedürfnissen entsprechen. Diese liegen verstärkt in den Bereichen Kommunikation, Motorik und Wahrnehmung. Mit Hilfe der individuellen Förderpläne und intensiven Gesprächen zwischen Lehrern und Therapeuten erhalten die Schüler jeden Dienstag zwei Angebote in zwei festen Fördergruppen.
Die Besonderheit der Fördergruppen zeichnet sich durch einen hohen Personalschlüssel aus, der eine intensive Betreuung und gezielte, individuellere Förderung ermöglicht. Der Schulbeginn (Morgenkreis), das Frühstück und die Pflege finden in den Klassen statt.
Ein regelmäßiger Austausch zwischen Förderlehrern, Klassenlehrern und Therapeuten findet sowohl in Einzelgesprächen als auch in Lehrerkonferenzen statt. Hier werden die Angebote, Schülerzusammensetzung, Methoden und Materialien besprochen, reflektiert und evaluiert.
Konkrete Inhalte im Schuljahr 2008/2009
Erlebnistheater
Unterstützte Kommunikation / Musik
Psychomotorik
Matschen und basale Körpererfahrung
Erlebnistheater
Im Erlebnistheater erleben die Schüler sich als Teil einer Geschichte.
Indem sie die Geschichte schrittweise als eine Form von Mit-mach-Theater erleben, mit den Akteuren spielen, Gefühle empfinden können, Stimmungen erleben können, mit einander spielen können, treten sie in Interaktion mit ihrem Gegenüber und in handelnde Auseinandersetzung mit den Materialien( z.B. Bälle, Musik, Instrumente, Luftballons..) und erleben sich somit innerhalb der Geschichte neu.
Die klare Struktur der gesamten Einheit ( gemeinsames Begrüßen, Erlesen der Namenskarten, Geschichte weiter lesen, in den Snoezelraum reisen, dort verschiedene Situationen erleben, Rückreise zur Schule) hilft den Schülern sich auf die Geschichte einzulassen.
Neben dem Erleben der Geschichte und der einzelnen Handlungsstränge ist es uns sehr wichtig, über Musik, Licht und Bilder Stimmungen erlebbarer zu gestalten.
Fördergruppe Unterstützte Kommunikation
Unterstützte Kommunikation beschäftigt sich damit, Menschen mit fehlender oder schwer verständlicher Lautsprache bestmögliche Kommunikationsformen anzubieten, die ihre Ausdrucksmöglichkeiten sehr verbessern können. Die gesprochene Sprache bleibt zwar immer im Blickfeld, es wird aber gleichzeitig auch gesehen, dass es Menschen gibt, die ihre Bedürfnisse nicht oder noch nicht überall lautsprachlich ausdrücken können.
Sämtliche Möglichkeiten, den einzelnen Schülern wirksame Kommunikationssysteme bereitzustellen, sollen genutzt werden (Gestik, Mimik, Gebärden, Bücher mit Symbolen/Bildern; Sprachcomputer).
Arbeit in den Gruppen:
Jüngere Schüler: Erstellung und sukzessive Erweiterung persönlicher Kommunikationsbücher zu den Themen Spiele, Gefühle, häusliche und schulische Umgebung, Essen, Freizeit, Einkauf
Anwendung des Buches in realen Situationen, gemeinsames Spielen, Ansteuerung von Geräten durch hauswirtschaftliche Angebote.
Ältere Schüler: Arbeit und Umgang mit den Sprachcomputern und Kommunikationsbüchern durch gemeinsame Spiele, Übungen in Alltagssituationen (Einkauf) , hauswirtschaftliche Vorhaben; Vorbereitung und Durchführung eines Treffens mit der UK-Gruppe der Hans-Verbeek-Schule.
Psychomotorik
Die Psychomotorikgruppe 1 wurde ursprünglich als Rollstuhlsportgruppe mit dem Ziel eigenständiges Fahren anzubahnen und gezieltes Fahren und Bremsen zu üben eingerichtet. Bei der Anbahnung soll das Berühren, Greifen und Bewegen der Führungsschienen an den Reifen im Vordergrund stehen. Durch den gezielten Abbau von taktilen Überempfindlichkeiten (Berührung der Führungsschiene) und verschiedene, interessante Medien wie Tücher oder Knisterfolie bzw. Glöckchen soll das Interesse die Schienen zu umfassen und den Rollstuhl zu bewegen, geweckt werden. Das gezielte Fahren mit dem Rolli kann in mehreren Spielen, wie z.B. Gegenstände mit dicken Bällen vor sich herschieben, Transportstaffeln als Wettbewerb oder auf Zeit, „Einparken“ oder Umfahren von Hindernissen in einem Parcours, sowie in lebenspraktischen Aufgaben, wie z.B. das Öffnen von angelehnten Türen, geübt werden.
Da in diese Gruppe jedoch später auch „Fußgänger“ eingestiegen sind und da für die ursprünglichen Schüler zusätzliche sensorische Angebote angebracht erschienen, werden zusätzlich Parcours und Bewegungslandschaften zum Klettern, Balancieren, Schaukeln, Entspannen und zum Erfahren von aktivem Bewegen und passivem Bewegt-werden angeboten. Bei verschiedenen Angeboten soll zusätzlich das Selbstvertrauen und das Eingehen auf den Anderen gestärkt bzw. entwickelt werden.
Basale Erfahrung
Durch basale Reizangebote sollen Wohlbefinden und Sicherheit, Optimismus und Lebensfreude unterstützt und gefördert werden.
Wannen, Duschen und Becken mit warmem Wasser ermöglichen ein Eintauchen des ganzen Körpers. Schaum und farbiges Wasser, sowie Schöpfgefäße, Schwämme, Schwimmtiere, Plastikflaschen etc. regen die Schüler zu Aktivität und Eigeninitiative an. Spontaneität und Kreativität werden ebenso angeregt wie Bewegung und Ausgelassenheit. Der Schüler kann seinen eigenen Körper bewusst erfahren und mit anderen in soziale Kommunikation treten.
Der Lehrer lässt die Schüler weitestgehend selbst agieren, setzt aber falls erforderlich basale Reize.
Evaluation des Schwerstbehindertenkonzeptes und Veränderungen
Anhand eines Fragebogens wurde das Kollegium der Sankt Nikolaus Schule zu dem Schwerstbehindertenkonzept befragt. Die Arbeit in den einzelnen Gruppen wurde als durchweg positiv und für die Schüler sehr bereichernd befunden. Aus dem Kollegium wurden jedoch folgende Wünsche deutlich:
bessere Möglichkeiten des Informationsaustauschs
zusätzliche Materialien insbesondere für den Snoezelraum und die Turnhalle
weitere Fortbildungen zu den Schwerpunkten der einzelnen Fördergruppen.
Aufgrund der häufigen Reparaturen konnte das Schwimmbad kaum genutzt und somit die Schwimmförderung nur selten durchgeführt werden. Zusätzlich war der Betreuungsschlüssel (1:1) und die Organisation des Holens, Bringens und Umziehens der Schüler sehr schwierig und zeitaufwendig. Aus diesem Grund wird dieses Angebot gegen eine Fördergruppe mit dem Schwerpunkt elementare Erfahrungen mit Wasser und „Matschen“ ersetzt.
Anstelle eines Angebotes zur unterstützten Kommunikation wird dieses Schuljahr ein Musikangebot gemacht. Über Musik sollen hier grundlegende Kommunikationsmöglichkeiten angebahnt, die Ansteuerung von Gegenständen und der Einsatz von Talkern geübt werden. Musik ist hier als Motivator zu sehen.
Vierteljährlich soll im Rahmen einer Lehrerkonferenz die Möglichkeit des Austauschs der Fördergruppen gegeben werden (Vorstellen der aktuellen Inhalte, Überlegungen zu einzelnen Schülern, evtl. organisatorische Veränderungen). Zusätzlich sind die Inhalte der Fördergruppen in Form von Stoffverteilungsplänen allen Kollegen zugänglich.
Zu Beginn des Schuljahres 2007/08 wurde erneut eine Evaluation des Schwerstbehindertenkonzeptes durchgeführt. Aufgrund der Tatsache, dass eine bis dato zweimal monatlich von einer Blindenlehrerin durchgeführte Sehförderung ausfällt, der Bedarf dieser intensiven Förderung allerdings dennoch vorhanden ist, wurde das Förderangebot wie folgt verändert:
Psychomotorik (Gruppe 1: Rollstuhltraining; Gruppe 2: Wahrnehmungsförderung)
Sehförderung
Basale Erfahrungen mit dem Medium Wasser
UK (Gruppe 1: Umgang mit den Talkern, Gruppe 2: Anbahnung von UK)
Erlebnistheater
Das Deutschkonzept
Das Kollegium der Sankt Nikolaus Schule hat in mehreren pädagogischen Konferenzen und in den Fachkonferenzen Sprache ein Deutschkonzept entwickelt. Dieses bildet nunmehr eine Grundlage für den gesamten Unterricht im Fach „Sprache“. Hierdurch ist gewährleistet, dass auch bei Lehrer- bzw. Stufenwechsel eine einheitliche Form des Leseunterrichts stattfindet.
Eine Grundlage bildet hier das Konzept „Lesen durch Schreiben“ nach Reichen. Die Schüler werden ermutigt von Anfang an entsprechend ihren Fähigkeiten kurze „Texte“ zu Bildern, Fotos oder Anlässen zu produzieren. Hierbei steht nicht die Rechtschreibung sondern die Auseinandersetzung mit Schrift im Vordergrund. Anhand einer Anlauttabelle erkennen die Schüler über Bilder den gehörten Laut und schreiben ihn. Dadurch ist zunächst nicht das Kennen aller Buchstaben notwendig, um zu schreiben. Durch den handelnden Umgang mit Schrift wird das Alphabet indirekt erarbeitet und Lesefähigkeiten entstehen durch das Schreiben.
Anlauttabelle und Lautgebärden
Das Kollegium der Sankt Nikolaus Schule hat die Anlauttabelle von Reichen mit Bildern aus der konkreten Lebenswelt der Schüler verändert. Diese Tabelle hängt in jeder Klasse. Jeder Schüler hat seine eigene Anlauttabelle, die er im Sprachunterricht nutzt. Über verschiedene Spiele wird die Anlauttabelle erarbeitet und die Korrespondenz Bild-Wort-Anlaut gefestigt.
Der vielsinnige Umgang mit Buchstaben wird durch Lautgebärden unterstützt. Hierbei wurde von der Fachkonferenz Deutsch aus den Kielerleselehrgängen und den Lautgebärden nach Koch ein Lautgebärdenalphabet zusammengestellt. Bei der Auswahl der Gebärden standen folgende Kriterien im Vordergrund:
Lautgebärden müssen einhändig und großräumig ausgeführt werden können.
Eine klare Unterscheidung der einzelnen Gebärden ist wichtig.
Diese Lautgebärden wurden fotografiert und so jeder Klasse zur Verfügung gestellt. Der Einsatz von Lautgebärden fördert die Erarbeitung und Festigung der einzelnen Buchstaben. Durch die Dynamik wird der Zusammenhang zwischen 2 Lauten und damit eine erste Synthese vereinfacht. Die Schüler übernehmen rasch diese Gebärden und nutzen sie als Hilfestellung.
Die Lesegruppen
Das Reichenkonzept muss durch viele unterschiedliche zusätzliche Übungen ergänzt werden, damit es für Schüler mit einer geistigen Behinderung angemessene Lernchancen eröffnet. Daher werden zusätzlich Leselehrgänge wie „Lesen mit Lo“, „Lesen lernen mit Hand und Fuß“ und weitere individuell gefertigte, vielsinnige Lesespiele im Deutschunterricht eingesetzt.
An der St.Nikolaus-Schule wird seit dem Sommer 2004 einmal wöchentlich parallel zum Schwerstbehindertenkonzept ein intensiver Deutschförderunterricht für alle übrigen Schüler angeboten. Hierbei sind diese altersgemischt und klassenübergreifend entsprechend ihres Lernstandes (angelehnt an Hublow) in 7 Arbeitsgruppen eingeteilt. Diese Lerngruppen bestehen in der Regel aus 5-6 Schülern. Hier werden spielerisch Lese- und Schreibfähigkeiten in folgenden Gruppen gefestigt:
Lebenspraktisches Lesen
Anlauterkennung 1+2
Mittel-und Endlaute
Auflautieren
Schreib-und Lesegruppe/ Zeitungs-AG
Dieses Angebot findet zusätzlich zum Klassenunterricht, in dem weitere Lese- und Schreibfähigkeiten angebahnt und ebenfalls gefestigt werden, statt. Lesen und Schreiben bedeutet jedoch auch hier nicht nur Umgang mit Schrift, sondern bezieht auch das Erkennen von Bildern und Symbolen mit ein.
Evaluation des Deutschkonzeptes und Veränderungen
Bei der Evaluation des Deutschkonzeptes zeigte sich, dass eine bestimmte Schülergruppe im Rahmen des Ganzwortlesens nicht angemessen gefördert werden konnte. Daraufhin wird in dieser Gruppe der Schwerpunkt in diesem Schuljahr auf lebenspraktisches Lesen gelegt.
Aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands der Deutsch- und Fördergruppen sowie des ständigen Wechsels der Schüler entschied sich das Kollegium der St.Nikolaus-Schule gegen die zunächst parallel zu den Fördergruppen angedachten Mathegruppen. Während des zweiten Unterrichtsblocks verbleiben die restlichen Schüler im Klassenverband und werden dort in unterschiedlichen Fächern unterrichtet.
Im Rahmen einer Lehrerkonferenz erhält das Kollegium vierteljährlich die Möglichkeit, neue Inhalte der Lesegruppen darzustellen und sich über die Schüler auszutauschen und gegebenenfalls auch Wechsel vorzunehmen.
Projektwochen an der St.Nikolaus-Schule
Merkmale und Kriterien des Projektunterrichts
1. Interessen- und bedürfnisorientiertes Lernen
2. Lebensnahes Lernen
3. Problemorientiertes Lernen
4. Produktorientiertes Lernen
5. Prozessorientiertes Lernen
6. Lernen mit allen Sinnen
7. Handlungsorientiertes Lernen
8. Soziales Lernen
9. Fächerübergreifendes Lernen
An der Sankt Nikolaus Schule werden einmal pro Jahr Projektwochen angeboten. Diese werden in der Regel mit einem Projektfest abgeschlossen. Die Ideen zu einem bestimmten Thema sind teilweise aus Lehrerideen entstanden, die Schüler haben zu einem Oberthema Wünsche zu Projektangeboten geäußert. Einige Wochen vor Beginn der Projektwoche werden die einzelnen Gruppen in Form von Stationsangeboten, die von den Schülern ausprobiert werden können, vorgestellt. Anschließend können die Schüler dann durch eine Wahl über Bildsymbole entscheiden, in welcher Gruppe sie arbeiten möchten. Durch einen Erst- bzw. Zweitwunsch, kann den Interessen der einzelnen Schüler Rechnung getragen werden. Die Projektgruppen sind alters- und klassenübergreifend organisiert. Vormittags wird in den Projektgruppen gearbeitet und auch gemeinsam gefrühstückt, nachmittags findet normaler Unterricht in den Klassen statt.